System Aiman Mazyek: Wieso der ZMD-Chef allen Muslimen schadet

Vor ein paar Wochen habe ich noch CLAIM scharf angegriffen, weil die Allianz für den Tag gegen antimuslimischen Rassismus auch mit Politikern, die für ihre islamfeindlichen Ressentiments bekannt sind, zusammengearbeitet hat. Einen ähnlichen Unsinn veranstaltet jetzt auch der Zentralrat der Muslime (ZMD). Zeit für einen ausführlicheren Diss gegen Aiman Mazyek und seinen Generalsekretär Abdessamad El Yazidi, die schon länger keine, öffentlich von der Community gestellten, unliebsamen Fragen mehr beantworten.

Aiman Mazyek ist eine große und unerträgliche Belastung für die geschundene Seele der muslimischen Community in Deutschland geworden. Anders kann man das, seit längerem beobachtbare, Verhalten des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime (ZMD) nicht mehr bezeichnen. Dabei müsste Mazyek schon längst weg sein. Seit Jahren kokettiert er selbst mit seinem Abschied und hat ihn auch angekündigt. Doch Ewiggestrige halten ihm die Treue. Sie hoffen, dass sie politisch irgendeine Bedeutung einnehmen werden. Langsam scheint es aber auch hier ein Erwachen zu geben. Die Enttäuschungen über den Vorsitzenden und seinen rigorosen Umgang mit eigenen Glaubensgeschwistern nehmen langsam auch in diesen Kreisen zu.

Mazyek schadet allen Muslimen

Wer auf eine politische Bedeutung hofft, wird bitter enttäuscht werden. Fakt ist: Mazyek schadet gerade allen Muslimen. Dafür muss man auch wissen, woran der gebürtige Aachener aktuell arbeitet und welche Position er anstrebt. Es darf auch keine Rücksicht auf Befindlichkeiten geben. Heute soll Klartext und aus dem Nähkästchen geschrieben werden. Dafür ist es auch notwendig zu verstehen, was gerade politisch abläuft. Schauen wir uns beispielsweise den jüngsten Coup von Mazyek und El Yazidi an. Für den internationalen Marwa el-Sherbini Preis (für Zivilcourage) haben sie den Innenminister, Horst Seehofer (CSU), als Schirmherren gewonnen.

Der ehemalige Generalsekretär der IGMG, Oguz Ücüncü mit scharfer Kritik an der Entscheidung des Zentralrats zu Seehofer. Auch eine Stimme, die das ausspricht, was viele bei diesem Vorgang denken.

In der Mitteilung, die bereits am Wochenende stolz herausposaunt wurde, war auch ein Bild zu sehen, auf dem Seehofer gemeinsam mit seinem Staatssekretär Dr. Kerber lächeln. [1] Der Deal kommt dem Innenminister, der zuletzt wegen einer möglichen Anzeige gegen ein Mitglied der Presse (Hengameh Yaghoobifarah) scharf kritisiert wurde, natürlich Recht. Ebenso, weil Seehofer die Polizei vor Rassismus in Schutz nimmt. Das ist Aiman und seinem Generalsekretär völlig egal. Für ihren Zivilcourage- und Anti-Rassismus-Preis holen sie den Mann an Bord, der bis heute sagt: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Für diesen Diss an Millionen Muslimen hat sich Seehofer auch nie wirklich entschuldigt. [2]

Journalisten stellen öfter die richtigen Fragen

Richtig geile Aktion vom ZMD-Chef, dem es nicht mal auffällt, dass er das Erbe von Sherbini, die von einem Rechtsextremisten vor Gericht mit 18 Stichen getötet wurde, mit Füßen tritt, indem er die Person an Bord holt, die in der Vergangenheit und auch bis heute für viele Ressentiments gegenüber Muslimen verantwortlich zeichnet. Einen Innenminister, der die Polizei vor Rassismus in Schutz nimmt, während ein Polizist den Ehemann von Sherbini angeschossen hat, weil er ihn für den Täter hielt. Mazyek kennt die Geschichte nur zu gut. Er ignoriert sie aber schlichtweg. [3]

Deshalb ist es wiederum auch gut, wenn Journalisten wie Frederik Schindler (Die Welt) auf der anderen Seite jetzt aber auch die richtigen Fragen stellen, und zwar in Richtung des Innenministers. Ob es beispielsweise richtig ist, dass der Innenminister als Schirmherr eines Dachverbands auftritt, der in seinen Reihen türkische Faschisten und Rechtsextremisten sitzen hat. [4] Denn ja, der Zentralrat hat auch die ATIB an Bord, die als Ableger der Grauen Wölfe gilt und jüngst von den Verfassungsschützern erneut in diese Nähe gerückt wurde. Antworten auf solche Fragen tut Mazyek natürlich nicht, genauso wenig sein Generalsekretär. Sie brauchen den letzten größeren Verband im eigenen Kreis. Mehmet Alpaslan Celebi von ATIB ist schließlich stellvertretender Vorsitzender. [5]

Eigene Profilierung im Vordergrund — Seehofer-Flüsterer will Islambeauftragter werden

Mazyek hat bei der ganzen Aktion nicht mal das Thema Zentralrat im Blick. Dafür wäre der Vorsitzende des ZMD nicht der Vorsitzende des ZMD. Der Mann geisterte seit mehreren Monaten und vor allem auch vor dem Lockdown von Corona auf mehreren Veranstaltungen rum, auf denen er von seinem Super-Verhältnis zu Seehofer berichtete. Dabei spielte sich Mazyek auch als Seehofer-Flüsterer auf, der dem Innenminister auch zeige, wie falsch dieser oft liege. O-Ton aus einer nicht-öffentlichen Veranstaltung: „Er lernt ja dazu.“

Hinter den Kulissen, so wird berichtet, läuft jedoch noch mehr. Insider aus der Deutschen Islam-Konferenz (DIK) berichteten, dass sich Mazyek Chancen einrechnet, als Islambeauftragter eingesetzt zu werden. Er könnte damit sogar erfolgreich sein. Aktuell will das Bundesministerium des Innern (BMI) eigentlich einen Arbeitskreis aus Experten einberufen, die sich des Themas “antimuslimischer Rassismus” annehmen soll. [6] Mazyek könnte demnächst mindestens zu dieser Arbeitsgruppe gehören. Die Bildung der Gruppe verzögert sich jedoch, was auch bei der Opposition insgesamt für Unruhe sorgt. [7]

Mazyek und El Yazidi spielen auf Zeit

Tatsächlich hat der ZMD-Vorsitzende schon längst mit seinem Verein abgeschlossen. Es heißt, dass Mazyek einen Deal gemacht haben soll mit seinen unliebsamen „Muslimbrüdern“. Er verlässt den Vorsitz, dafür übernimmt El Yazidi. Der kritisierte Verband DMG soll sich dann endgültig zurückziehen. Der Plan wird bisher nicht umgesetzt. Mazyek wartet auf seine Berufung, El Yazidi auf seine Zeit und die DMG hüllt sich in Schweigen. Sie bestätigt nicht einmal bei inoffizieller Nachfrage, ob sie ihre Mitgliedschaft im ZMD ruhen lässt. Der Frage wird ausgewichen bzw. ausweichend geantwortet. [8]

Am Ende zeigt der ZMD mit Mazyek auch, wie schnell das Gesamtgerüst einbrechen kann. Mazyek tut immer so, als sei er Deutschland gegenüber loyal, ein feiner Muslim und Demokrat. Sein Verband sieht anders aus. Da widerspricht die Realität dem Anspruch. Beim ZMD sind angeblich Muslimbrüder, iranische Regimevertreter und, wie zuletzt auch bekannt, türkische Islamisten und Nationalisten mit rechtsextremem Schlag. Mazyek äußert sich hierzu nicht. Er schweigt sich, wie immer, aus. Fragen werden abgewiesen und nicht kommentiert. Hinhalte-Taktik nennt man das. Das einzige, was sich wirklich hinhält, ist die Konsequente Abstrafung durch die Politik, die definitiv folgen wird. Wie glaubwürdig ist ein Vorsitzender eines Vereins, der nicht offen erklären kann, wer alles seine Mitgliederverbände sind und warum.

Fragen werden ignoriert oder mit „Whataboutism“ beantwortet

Bis heute werden öffentlich gestellte Fragen nicht beantwortet und schlichtweg ignoriert. Ein negatives Beispiel für den Umgang und auch die Ratlosigkeit zeigte dann auch El Yazidi erst vor Kurzem. Nach mehreren Rückfragen vom ehemaligen Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) auf Twitter, attestierte ihm El Yazidi, Niemanden interessierten seine Fragen und Beck habe Pädophilie verharmlost. Tatsächlich ist das ein Zeichen dafür, dass beim ZMD längst die Nerven blank liegen und man nicht mehr in irgendeiner Form sachlich arbeiten, geschweige denn öffentlich sachlich antworten kann.

Der Journalist und Publizist Eren Güvercin machte auf Twitter auf die Entgleisung von El Yazidi aufmerksam. Auch Güvercin stellt immer wieder unbequeme Fragen, die von den ZMD-Herren ignoriert werden.

Interessant ist aber vor allem der „Whataboutism“ des ZMD-Chefs und seines Generals. Um das Prinzip der Kommunikation von Mazyek zu erklären, möchte ich einen Witz erzählen, den mir ein guter Freund aus seiner Verbandszeit immer erzählte.

Ein Amerikaner und ein Deutscher diskutieren über Züge. Der Amerikaner sagt: „Unsere Züge verspäten sich immer, aber irgendwann kommen sie und alles ist gut.“ Der Deutsche sagt: „Unsere Züge sind immer pünktlich.“ Der Ami glaubt dem Deutschen nicht. Also gehen sie gemeinsam zum Berliner Hauptbahnhof und warten auf den nächsten Reisezug. 5 Minuten, 10 Minute 20 Minuten. Es tut sich einfach nichts. Irgendwann hat der Ami keine Lust mehr und sagt: „Eure Züge sind nicht pünktlich.“ Der Deutsche antwortet: „Na und! Ihr habt die Indianer umgebracht!“

Am Ende haben wir einen Vorsitzenden einer Organisation, deren mehrere Mitglieder vom Verfassungsschutz beobachtet und deren Vorsitzender sich zu den Vorwürfen nicht mehr äußert. Auf Fragen aus der Community, geschweige denn Kritik geht Mazyek nicht ein. Es wird aktuell abgewartet, ob die Wünsche für den künftigen Weg erfüllt werden können. Dabei geht es aber nicht mehr um Muslime, die Verbände oder den Islam. Es geht nur noch um sich selbst.

Weiterführende Hinweise und Links

[1] http://islam.de/32397

[2] https://www.welt.de/politik/deutschland/article174603526/Horst-Seehofer-Der-Islam-gehoert-nicht-zu-Deutschland.html

[3] https://www.tagesspiegel.de/politik/dresdner-bluttat-opfer-der-hetze/1553384.html

[4] https://www.welt.de/politik/deutschland/article211605617/Zentralrat-der-Muslime-Seehofer-hofiert-National-Islamisten.html

[5] Siehe Verfassungsschutzbericht 2019: https://www.verfassungsschutz.de/de/oeffentlichkeitsarbeit/publikationen/verfassungsschutzberichte/vsbericht-2019

[6] https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/kurzmeldungen/DE/2020/03/integrationsgipfel.html

[7] Filiz Polat fragte nach, wann der Expertenkreis kommt: Es gab nur ausweichende Antworten. Im Video auf Facebook https://www.facebook.com/watch/?v=266671614784788

[8] Informelles Gespräch mit einem Vorstandsmitglied der betroffenen Organisation.

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