PSG vs Başakşehir: Rassismus zur Primetime

Das Spiel zwischen Paris Saint German (PSG) und dem Sportclub İstanbul Başakşehir in der Champions League wurde gestern abgebrochen. Über Rassismus und einer richtigen Entscheidung im Profifußball.

Offizieller Claim der UEFA: Sag nein zu Rassismus

Der Fußballabend war definitiv nicht so geplant. Ich wollte mir eigentlich anschauen, wie PSG diesmal mit der Mannschaft aus Istanbul umgeht. Denn Başakşehir hat in seiner ersten UEFA Champions League Saison durchaus beeindruckende Momente gehabt. Dabei versprach das Spiel auf jeden Fall mehr Action. Doch die Action fand dann eher in einem anderen Aspekt statt.

Nach rund 15 Minuten kam es an der Seitenlinie zu Problemen. Der Başakşehir-Betreur Pierre Webó hatte sich anscheinend mit dem vierten Offiziellen angelegt. Dieser wiederum forderte die Rote Karte für Webó und benutzte dabei das N-Wort um Webó zu beschreiben. Es kam zu einer hitzigen Diskussion. Der offizielle versuchte sich damit zu rechtfertigen, dass das Wort im Rumänischen einfach nur “schwarz” bedeute — eine klassische Ausrede.

Başakşehir hat richtig reagiert

Bei Başakşehir übernahm schließlich Demba Ba die Anführerschaft. Während PSG-Trainer Tuchel noch diskutierte, ob das Wort überhaupt gefallen sei (dabei war es gut über Kameras und Aufnahmen zu hören), erklärte Ba, das man das Spielfeld verlassen werde. Başakşehir ging in die Kabine, PSG schloss sich dem Protest an. Ba hatte zuvor noch dem Schiedsrichter deutlich gesagt: “Warum sagst du der N*****, statt diese Person? Du sagst doch auch nicht ‘der Weiße’!”

Es hätte vieles schieflaufen können und die Reaktionen hätten überhand nehmen können. Doch die Reaktion von Başakşehir war richtig und hätte nicht besser ausfallen können. Die UEFA hat zunächst an einer Wiederaufnahme des Spiels gepocht. Dann hat man Başakşehir angeboten den vierten Offiziellen auszutauschen. Doch die Mannschaft stellte sich quer. Erschien nicht zum gesetzten Termin um 22 Uhr und blieb in den Kabinen und reiste schließlich ab.

Solidarität und klare Haltung

Das Spiel soll jetzt heute um 18.55 Uhr nachgeholt werden. Solidarität hat Başakşehir für seine Aktion von überall auf der Welt, aber insbesondere aus der Türkei erfahren. Dort haben sich alle großen Istanbuler Clubs, wie Fenerbahçe, Galatarasay und Beşiktaş ebenso solidarisiert, wie auch rechtsextreme Parteien oder Präsident Recep Tayyip Erdoğan von der AKP. Auch die DAZN-Kommentatoren sagten am Ende, es sei gut, dass Rassismus diesmal nicht einfach hingenommen werde.

Tatsächlich hatte es in der Vergangenheit immer wieder rassistische Vorfälle im Profifußball gegeben, die allerdings nur sehr selten zu Spielabbrüchen führten. Echte Konsequenzen wurden oft nicht gezogen. In diesem Fall hat Başakşehir einen Spielabbruch und damit sämtliche Konsequenzen in Kauf genommen. Der Club-Präsident ließ auch verlautbaren: Solange ein solcher Schiedsrichter das Spiel pfeift, kommt die Mannschaft nicht aufs Feld.

Relativierung von Rassismus darf keinen Platz im Sport haben

Auch im Twitter-Universum wurde versucht den rassistischen Vorfall zu relativieren. Einige verwiesen auch auf die mentalen Probleme des vierten Offiziellen, der in Rumänien wohl deshalb auch zu zweifelhaftem Ruhm gekommen ist. Alles in allem ist Rassismus nicht zu tolerieren. Die UEFA hatte gestern eine Chance endlich ihrem vielfachen Werbeslogan “No to Racism” eine klare Handlung folgen zu lassen.

Wie immer hat die UEFA aber lieber versucht das Spiel weiterlaufen zu lassen. Entsprechend war das Verhalten von Başakşehir mehr als korrekt. Die UEFA kann sich bei Rassismus im Profifußball nicht einfach wegducken. Dazu braucht es aber, so wie gestern Abend, konsequentes Handeln und Solidarität. Deshalb dürfte das Spiel auch in die Geschichte eingehen. Kommerzialisierung kann nicht über den wichtigen Dingen stehen.

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