Nur gute Moscheen und Vorstände verdienen unsere Unterstützung

Viele Moscheen bitten aktuell um Spenden und Unterstützung. Doch wovon sollten wir unsere Unterstützung abhängig machen? Ein persönlicher Gedankenaustausch.

Ich war an diesem Abend mit Freunden verabredet und wir wollten gemeinsam was unternehmen. Der Treffpunkt war zwar etwas abseits meiner normalen Route, aber vor Ort gab es nur ein paar Meter entfernt eine mir bekannte Moschee. Die Nacht war bereits angebrochen und ich entschied mich, statt in der tiefen Nacht Zuhause, das Gebet in der Moschee vor Ort zu verrichten. Leider gab es einen kleinen Stau und ich schaffte es nicht rechtzeitig zum Gemeinschaftsgebet.

Als ich hereinging, wurde ich vom anwesenden Personal gleich aufgefordert, die Moschee zu verlassen, da diese nun schließe. Wir sprechen von einem Wintertag in Hamburg, es war noch nicht mal 17.30 Uhr und das Nachtgebet (ʿIschā’) wurde vermutlich gerade mal kurz zuvor in der Gemeinde abgeschlossen. Ich erklärte, dass ich nur kurz mein Gebet verrichten möchte und niemanden stören und gleich wieder herausgehen würde.

Es half nichts. Ich wurde vom Personal mit barschem Ton gebeten, die Moschee zu verlassen und woanders zu beten. Das tat mir sehr weh, weil ich es nicht richtig finde, wenn Menschen in Moscheen nicht beten können. Ich habe Verständnis für Öffnungszeiten. Ich habe aber kein Verständnis für Moschee-Personal, das nicht fünf Minuten länger aufhaben kann, weil Jemand sein Gebet verrichten möchte. So bringt man sich und den Wünschenden um den Lohn von Allah (swt). Ich verrichtete das Gebet sehr viel später Zuhause, mit viel Unruhe in meinem Herzen.

Da ich den Moscheevorstand kannte, habe ich ihm bei Zeiten von diesem Vorfall erzählt. Er quittierte es mir — vermutlich aufgrund unserer alten Freundschaft — mit Hohn und Spott. Es braucht wohl keine vielen Worte, um zu erklären, dass ich mich sehr verletzt gefühlt habe. Die Diskussion lief dann darauf hinaus, dass ich fragte, ob ich nicht Teil seiner Ummah bin. Die Antwort war sehr hart: “Du hast Dich aus unserer Ummah selbst entfernt.”

Vorgestern wurde mir eine WhatsApp-Nachricht gesendet. Für die besagte Moschee wird um Spenden gebeten, da man einen Kredit zurückzahlen müsse. Mir war es egal. Besser wurde es allerdings, als der Vorstand der Moschee (der immer noch der Gleiche ist) mir eine Nachricht über den Facebook-Messenger weiterleitete, die er vermutlich an alle seine Kontakte geschickt hatte. “Geehrter Bruder,” stand in der Einleitung. Da unser letztes Gespräch auf dem Messenger genau dieser Fall war, habe ich mir einen sehr großen Spaß erlaubt.

Ich war sehr unfreundlich, beleidigend und zugleich sagte ich den berühmten Spruch, den man Bettlern mit auf den Weg gibt, wenn man nichts geben will: “Allah versin.” (übersetzt “Gott vergelt’s!” oder “Gott möge es dir/euch geben.”) Meine Wut über die Angelegenheit ist noch immer nicht verflogen. Die Art wie das Ganze passiert ist, hat mir sehr zu schaffen gemacht. Deshalb war es gestern auch eine Genugtuung so reagieren zu können. Es hat mich jedenfalls sehr glücklich gemacht. Mir ist es egal, was aus dieser Moschee wird. Angesichts des Erlebten kann sie auch geschlossen sein. Es wäre aus meiner Sicht kein Verlust.

Transparenz und gute Gemeindearbeit

Beim ersten Lockdown habe ich Post in meinem Facebook-Postfach gehabt. Eine bekannte Moschee im norddeutschen Raum bat um Spenden. In dem öffentlichen Moneypool wurde ein Ziel ausgegeben. Es wurde klar beschrieben, wofür das Geld benutzt werden soll und in welchem Rahmen. Die Moschee stellt für die Spenden auch Quittungen aus, die beim Finanzamt gültig sind. Es ging vor allem um Umbauten und damit Verbunden ein paar Einrichtungsgegenstände für Klassenzimmer. Das Verfahren war sehr transparent und ehrlich. Alle Kosten wurden aufgeführt.

Der Imam der Moschee ist über die Grenzen seiner eigenen Gemeinde sehr bekannt. Er hat bei meiner Hochzeit vor 15 Jahren zum Abschluss den Koran rezitiert und ein Gebet aufgesprochen. Wann immer ich in seiner Moschee bin, spüre ich einen Hauch von Segen über dieser Moschee und seiner Gemeinde. Wann immer ich im Jugendlokal war, sah ich Fortschritte bei der Arbeit und ein großartiges Engagement. Es ist dieses Gefühl von Herzlichkeit, die von den Menschen, dem Personal und dem Imam aus der Gemeinde ausgehen, das einen mitreißt.

Der Spendentopf war entsprechend sehr schnell voll und es brauchte kaum Werbung dafür gemacht zu werden. Es wurde sogar mehr Geld gesammelt, als die Moschee veranschlagt hatte. Den Überschuss gab man an weitere Moscheen in der Nachbarschaft weiter, die unter den finanziellen Folgen der Corona-Krise zu leiden hatten. Nach Abschluss der Arbeiten gab es ein Info Mailing an alle Spender*innen. Es wurde mitgeteilt, was gemacht wurde und die Eröffnung der neuen Räumlichkeiten samt Einrichtung wurde öffentlich zugänglich gemacht.

Moscheen zu unterstützen kann auch eine Form einer gottesdienstlichen Handlung sein

Ich werde immer gefragt, ob und welche Moschee man unterstützen soll. Dabei verweise ich immer auf den unten stehenden Hadith.

Uthman bin Affan (ra) berichtete, dass er den Gesandten Allahs (saw) sagen hörte: “Wer auch immer eine Moschee (für Allah) baut, dem wird Allah ein ähnliches Haus im Paradies bauen.”

(Referenz: Dschami at Tirmidhi 318, Buch 2 Hadith 170)

Der Bau und Erhalt von Moscheen kann eine segensreiche Tat sein und sollte daher von allen Muslim*innen verfolgt werden. Natürlich ergibt das nur Sinn, wenn es auch einen Bedarf für Moscheen gibt. Entsprechend muss auch hier genau hingesehen werden. Es entbindet niemanden von der persönlichen Pflicht, sich selbst zu informieren, bevor man unterstützend eingreift.

Darüber hinaus kann es verschiedene Gründe geben, eine örtliche oder in der Nähe befindliche Moschee zu unterstützen. Gerade viele Moscheen sind während der Corona-Krise in Notlagen geraten. Einige haben sogar Soforthilfen vom Staat beantragt, weil die Einnahmen über Spenden ausgeblieben sind. In dieser Situation sollte man natürlich Not leidende Moscheen unterstützen.

Mehr auf das eigene Herz hören

Das persönliche Beispiel von oben zeigt aber, dass es gute und persönliche Gründe geben kann, seine Unterstützung zu versagen. Vor allem sollten sich Muslim*innen davor in Acht nehmen, Moscheen zu unterstützen, die sie in einem Abhängigkeitsverhältnis schlecht behandeln. Wir sollten eher danach Ausschau halten, ob es Moscheen gibt, die so transparent und für die Gemeinschaft arbeiten, wie das zweite Beispiel. Und vor allem sollten wir auf unser Herz hören.

Unser Herz weiß sehr häufig, wo die gute Tat zu finden ist und wo es uns Hinweise gibt, an der guten Tat zu zweifeln. Wenn uns beispielsweise das Spenden für eine ganz bestimmte Moschee leichter fällt als für andere Moscheen, dann hat es einen Grund. Wir sollten manchmal tiefer erforschen, welcher Grund das sein könnte. Und oft sind es nicht nur nostalgische Gründe, sondern vor allem Gründe, die sich an den Taten und der Haltung der Menschen messen lassen, die aufrichtig für das Wohlgefallen Allahs (swt) arbeiten.

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Das muslimische Subjekt ist öffentlich. Einsichten, Aussichten und Islamisches. #Islam #Muslim #Hamburg. Impressum: https://www.akifsahin.de/impressum/

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