Keine Woche gegen antimuslimischen Rassismus mit falschen Verbündeten

In diesem Jahr mache ich bei der Woche gegen antimuslimischen Rassismus aus Protest nicht mit. Das ist auch eine Absage an CLAIM und der Allianz gegen Hass, die in den vergangenen Jahren eigentlich eine bessere Durchführung der Woche machen sollten. Doch das funktioniert nicht, weil man sich falsche Verbündete im Kampf gegen antimuslimischen Rassismus auswählt.

Eigentlich sind die bisherigen Wochen gegen antimuslimischen Rassismus gut koordiniert und auch stark besetzt gewesen. Die Öffentlichkeit nahm davon jedoch kaum Notiz, obwohl sich damals verschiedene Initiativen, insbesondere der Rat muslimischer Studierender und Akademiker (RAMSA), sehr viel Mühe gaben und nach Öffentlichkeit und Zusammenarbeit strebten.

Vor ein paar Jahren wurde dann CLAIM ins Leben gerufen und mit CLAIM auch die Allianz gegen Hass. Damit sollte der Woche gegen antimuslimischen Rassismus mehr Gewicht verliehen werden. Ein besonderes Detail: Die muslimischen Verbände sind, wenn überhaupt, nur Beiwerk. So wurden sie auch behandelt und nur mit Nebenauftritten befriedet. Auswirkungen zeigte das, als beispielsweise der Zentralrat der Muslime, wie auch in Jahren zuvor, im vergangenen Jahr ausschwenkte und quasi das Anliegen für eigene Statements und Profilierung nutzte.

Annette Widmann-Mauz ist keine Verbündete im Kampf gegen Islamfeindlichkeit

Doch dieses alles sind nur Randnotizen. In diesem Jahr verbreitet die Allianz gegen Hass aber auch Statements durch politische Verbündete wie der Integrationsbeauftragten Annette Widmann-Mauz (CDU). Das zeigt die Problematik des neuen Konstrukts. Man ist auf öffentliche Unterstützung angewiesen, ebenso wie auf Fördergelder und versucht sich natürlich dafür auch Unterstützung aus höchsten politischen Ämtern zu holen. Das Problem ist, dass in einer Woche gegen antimuslimischen Rassismus eine Politikerin, die eben solche Ressentiments mehrfach verbreitet und gestärkt hat, nicht als Ally dienen kann.

Mehrere Statements in den vergangenen Jahren zeigten die Problematiken auf, von denen ich hier nur ansatzweise spreche: Widmann Mauz rief beispielsweise Öffentlichkeitswirksam Muslime dazu auf, die Corona-Regeln zu beachten und erweckte den Eindruck, als würden sich Muslime daran nicht halten. Anlass war dafür eine missglückte Gebetsruf-Aktion in Neukölln. Dabei zeigte sie nicht nur mit dem Finger auf Muslime, sie zeigte auch ihre Unkenntnis über die Maßnahmen und Aktionen der muslimischen Community.

Ein anderes Beispiel sind die Diskussionen um Kopftuchverbote für Schülerinnen an öffentlichen Schulen. Annette Widmann-Mauz rief dazu auf, dass ein Kopftuchverbot geprüft werden müsse, ohne auf Zahlen oder wissenschaftliche Erkenntnisse zurückgreifen zu können. Auch hier wurden Ressentiments gegen Muslime durch eine Zurschaustellung und einen Angriff auf Grundrechte und Erziehungsrechte durchgeführt. So wurden nicht nur islamfeindliche Ressentiments bestärkt (Muslime stecken Kleinkinder in Kopftücher), sondern auch alle Muslime über einen Kamm geschoren.

Entspricht nicht dem Geist des Kampfes gegen Islamfeindlichkeit

Eine Staatsministerin, die immer wieder in entscheidenden Debatten Ressentiments und Vorurteile gegenüber Muslim*innen befeuert und sich auch bei der Debatte um Kopftücher so positioniert, wie es Widmann-Mauz getan hat, kann keine Ally gegen antimuslimischen Rassismus sein. Auch schon deshalb nicht, weil Widmann-Mauz eben nicht das verkörpert, was diese Woche und auch den Tag ausmacht.

Der Tod von Marwa el-Sherbini geschah nicht aus einem luftleeren Raum. Es gab ein Stigma, ein Klima der Repression und des institutionellen Rassismus, dass nicht nur den Mord ermöglicht hat, sondern ihn auch versucht hat totzuschweigen. Widmann-Mauz eignet sich mit ihrer Position nicht, als Verbündete um das Andenken einer Frau zu wahren, die aufgrund ihres religiösen Bekenntnisses und auch wegen ihres Kopftuchs starb. Das ist eine Verhöhnung.

Bitte zurück zu den Wurzeln und eigenen Ansprüchen

So wirkt die Woche gegen antimuslimischen Rassismus für mich nur noch als Inszenierung einer elitären Bande von Muslim*innen, die sich von Politiker*innen vereinnahmen lassen, um gehört zu werden. Dabei braucht sich CLAIM nur auf eigene Ansprüche zurückzubesinnen: Kein Platz für Hass.

In diesem Sinne denke ich an Marwa el-Sherbini und hoffe, dass die Initiative entweder die Kurve kriegt oder die muslimische Community die Deutungshoheit über diese Woche und den Tag zurückerlangt, bevor er weiter politisch missbraucht wird, um einen “genehmen” und “erwünschten” Islam und Muslime zu protegieren, statt die Wurzeln von Rassismus und Islamfeindlichkeit zu bekämpfen.

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Das muslimische Subjekt ist öffentlich. Einsichten, Aussichten und Islamisches. #Islam #Muslim #Hamburg. Impressum: https://www.akifsahin.de/impressum/

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