Keine Solidarität mit Nurhan Soykan

Die stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD) wurde in ein Beratungsgremium des Auswärtigen Amtes (AA) aufgenommen. Es gibt scharfe Kritik an der Berufung. Jetzt fordern muslimische Funktionäre Solidarität. Dabei zeigen sie sich selbst nur halbherzig und oberflächlich. Eine Kritik.

Nurhan Soykan hat schwere Tage hinter sich. Vermutlich Schlimmere als die, die jetzt vor ihr stehen. Die stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats meldete sich Anfang des Jahres ab und ließ offiziell ihre Tätigkeiten beim ZMD ruhen. Sie machte ihre Krebserkrankung öffentlich und zog sich weitestgehend aus der aktiven Arbeit zurück. Anfang Juli verkündete Soykan, dass ihre letzte Chemotherapie stattgefunden habe. Erstmals öffentlich nach ihrer Behandlung zeigte sie sich just nach der Berufung durch das Auswärtige Amt. Auf dem Bild, dass nun öffentlich geteilt wird, sieht man, dass die Behandlung nicht spurlos an ihr vorbeigegangen ist.

Keine Solidarität mit Soykan

Was ich nicht tun muss, und das schreibe ich hier sehr deutlich: Ich muss mich nicht solidarisch mit Soykan oder dem Zentralrat zeigen. Diese Forderung wurde indirekt und teilweise auch direkt von muslimischen Funktionären gefordert. Ich schweige mich in der Causa nicht aus, ich bin auf der anderen Seite. Bevor ich das aber weiter ausführe, möchte ich auf ein paar Dinge noch aufmerksam machen, weil sie mir auf dem Herzen liegen und gerne ignoriert werden.

Ablenkungsmanöver von Aiman Mazyek — Fragen bleiben weiterhin offen

Aiman Mazyek, immerhin Vorsitzender des Zentralrats, hat Soykan nicht wirklich in Schutz genommen. Mazyek fährt gerade eine andere Geschichte. Er erzählt gerade, dass er vom NSU 2.0 bedroht werde. Nach der mittlerweile bekannten Lüge über eine angebliche Schirmherrschaft von Seehofer beim Marwa el Sherbini Preis, sollte man solche Bekundungen lieber überprüfen, statt den Bekundungen von Mazyek einfach so zu glauben. Wer einmal lügt, und dann nicht mal erklären möchte, wie es zu dieser Lüge kam, dem vertraut man besser nicht.

Niemand kennt Soykan in der großen muslimischen Community

Auch der KRM hat eine Erklärung abgegeben. Darin beglückwünscht der lose Verbund, der nicht mal ein Verein ist, Soykan zu ihrer Berufung. Interessant ist diese Wortwahl von Burhan Kesici: “Diese Entscheidung findet in unserer Community und bei unseren Mitgliedern großen Anklang und wurde durchweg positiv bewertet.” Kein Wort zu den Kritiker*innen. Keine echte Rückenstärkung und dann noch dieser eine Satz, der einfach nur Bullshit ist.

Koordinationsrat der Muslime schießt den Bock ab

Stattdessen wird so getan, als sei Soykan die Community-Ikone schlechthin. Dabei braucht man nur in die nächste Moschee gehen und nachfragen: Stille. “Wer ist das?”, lautet die oft gestellte Frage. Entweder der KRM tickt nicht mehr richtig und verkennt Realitäten oder man versucht so oberflächlich zu behaupten, hinter Soykan stände eine große Community, die sie unterstütze. Die Frau bekommt dabei nicht mal die Unterstützung ihres eigenen Verbandschefs, geschweige denn die Rückendeckung von den oberen Altherren der muslimischen grauen Eminenzen. Die Erklärung von Mazyek ist erneut ablenkend und vor allem nicht ehrlich. Das ist halt das System.

Solidarität ist keine Einbahnstraße — deshalb keine Solidarität von mir

Nun zum letzten Punkt: Ende 2014 habe ich erfahren, was es in der muslimischen Community heißt einen eigenen Kopf und Verstand zu haben. Ich habe in der Folge viele Anfeindungen und Gewaltdrohungen erlebt und mich schlussendlich auch sehr stark und öffentlich von vielen Dingen und vielen Personen distanziert. Bis heute liege ich im Clinch mit diesen Menschen. Nurhan Soykan ist Teil dieses Systems und auch ihr Vorsitzender und ihr Chef haben einen Beitrag dazu geleistet, dass ich mich der gesamten Community entfremdet habe. Warum soll ich mich also mit dem System und diesen Personen solidarisch zeigen, wo es mich, als ich Solidarität gebraucht hätte, im Stich gelassen hat?

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