EuGH bestätigt Schächtverbot in Flandern — Was bedeutet das für Jüdinnen und Juden sowie Muslim*innen

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat das Schächtverbot, wie es im belgischen Flandern umgesetzt wurde, in einem Urteil bestätigt. Laut EuGH können Mitglieder der Europäischen Union Gesetz Schächtverbote erlassen. Das Urteil ist für orthodoxe Jüdinnen und Juden sowie Muslim*innen zunächst problematisch. Schächtverbote treffen aber vor allem die jüdische Gemeinschaft. Ein Erklärungsversuch.

Das vom EuGH bestätigte Schächtverbot trifft vor allem die jüdische Gemeinschaft, weniger die muslimische Community.
Das vom EuGH bestätigte Schächtverbot trifft vor allem die jüdische Gemeinschaft, weniger die muslimische Community.
Schafe werden auf ein Fahrzeug verladen — Photo by Jo-Anne McArthur on Unsplash

Betäubungsloses Schächten stellt eine Ausnahme bei Muslim*innen dar

Antreiber sind nicht nur Tierschützer*innen, sondern vor allem islam- und judenfeindliche Bewegungen. In der Praxis hat sich in Ländern, in denen Schächtverbote erstellt wurden, jedoch etabliert, dass die Bedarfe an koscherem oder halal-Fleisch durch Importe aus dem nahen Ausland gedeckt werden. So wie deutsches Schweinefleisch in Unmengen nach China exportiert wird, gibt es auch verschiedene Importe bei koscherem oder halal geschächtetem Fleisch. Das rechnet sich zwar aus Umweltschutzgründen nicht, aber wird in der Praxis auch weiterhin verfolgt. Ein anderer Aspekt gewinnt aber gerade für die muslimische Community eine größere Bedeutung.

Schächtverbot trifft jüdische Gemeinschaft stärker

Geht man darüber hinaus davon aus, dass sich die meisten Muslim*innen nur an den Speisevorschriften orientieren, die ihnen Schweinefleisch verbietet, kann davon ausgegangen werden, dass ein Schächtverbot für eine extrem konservative Minderheit eine Rolle spielt. Diese Minderheit müsste bei einem Verbot ebenfalls über Importe nachdenken. Tatsächlich haben längst die meisten der Schlachtbetriebe, die auf unbetäubtes Schächten Wert gelegt haben, ein seit Jahren stärker zunehmendes Nachfrageproblem.

Rechtliche Lage in Deutschland fördert Export und Import von Fleisch

Interessant ist hier aber auch, dass man wissen muss, dass es in Deutschland schon seit Jahren verboten ist betäubungslos zu schächten. Um den Bedarf der Religionsgemeinschaften nachzukommen, gibt es sog. “Ausnahmeregelungen” die auf ein 2002 gefälltes Urteil des Bundesverfassungsgerichts zurückgehen.

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